Rezension: "Solange am Himmel Sterne stehen" von Kristin Harmel




Randdaten:
Originaltitel: The Sweetness of Forgetting
Deutscher Titel: Solange am Himmel Sterne stehen
Verlag: blanvalet
Seiten: 475
Genre: Familiendrama, Chick-Lit, Zeitgenössisch
Reihe: keine

Hope ist in einer schwierigen Lebensphase. Sie ist seit kurzem von ihrem Mann geschieden, ihre Tochter ist mitten in der Pubertät, ihre Mutter gestorben und ihre Großmutter Rose leidet an Alzheimer. Als Rose eines Tages einen der seltenen "klaren" Tage hat, bittet sie ihre Enkelin nach Paris zu fahren um ihre Familie zu finden, die sie im zweiten Weltkrieg aus den Augen verloren hat. Doch Hope ahnt nicht, dass sie sich auch auf die Suche nach der großen Liebe ihrer Großmutter macht. Erstmal kann sie aber nur hoffen, dass diese Menschen überhaupt noch am Leben sind...


 Irgendwie finde ich, haben beide Cover etwas. An sich finde ich das Amerikanische Cover eigentlich schöner, aber das Deutsche Cover passt irgendwie besser. Beziehungsweise das Amerikanische Cover passt nicht, denn das Deutsche ist jetzt auch nicht besonders aussagekräftig. Also: ich kann mich nicht so recht entscheiden, aber alleine vom Bild her, gefällt mir dieses abendliche Picknick besser als die Blume.

Mit diesem Buch habe ich mich zum ersten Mal in ein ganz neues Gefilde gewagt. Erstens lese ich eigentlich nur Jugendbücher und dieses Buch ist eindeutig für Erwachsene geschrieben worden. Zweitens lese ich am liebsten Sci-Fi oder Fantasy und taste mich erst seit neustem so langsam an die zeitgenössische Literatur heran. Zu Beginn dieses Buchs hatte ich jedoch das Gefühl direkt in einen kitschigen Rosamunde Pilcher Film katapultiert worden zu sein. Daher hatte ich zu Beginn meine Zweifel ob ich diese 500 Seiten wohl überhaupt zum Ende bringen werde.
Dieses Buch, aber besonders der Anfang, ist wirklich enorm kitschig. Hope ist frisch geschieden, hat eine zwölfjährige Tochter, die Mutter ist grade gestorben, die Großmutter ist krank, der Ex-Mann hat eine neue, viel jüngere Frau ect. ect. Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen lebt sie an der Küste, mit Blick aufs Meer in einem kleinen Cottage und führt die Familienbäckerei, die ihre Großmutter damals ins Leben gerufen hat.
Soweit so gut. Als ich mich erstmal damit abgefunden hatte, dass dieses Buch eben sehr an die Lieblingsfilme meiner Mama erinnert war es voerst in Ordnung. Ich wollte es einfach durchziehen und dafür gab es mehrere Gründe. Zum einen gab es in diesem Buch einige parallelen zu meinem eigenen Leben, weshalb mein Interesse dann irgendwie doch geweckt wurde. Zweitens interessiere ich mich für Alzheimer und drittens, hat die liebe Kossi vor etwas längerer Zeit von diesem Buch bis ins Unendliche geschwärmt. Gut, ich hätte mir denken können, dass es nicht 100% mein Geschmack sein wird, aber egal.
Mit der kitschigen Handlung hatte ich mich also angefunden. Dann kam der Schreibstil. Schade. Ohne zu übertreiben: So einen nervigen Schreibstil hab ich sehr lange nicht mehr gelesen. Auf ungefähr jeder zweiten Seite steht irgendwie "... und mir wird bewusst, dass ich meine Hände zu Fäusten balle" "... und mir wird bewusst, dass ich den Atem angehalten habe" "... und mir wird bewusst, dass es mir einen eifersüchtigen Stich versetzt." Ich hätte ewig viele Beispiele markieren können, aber irgendwann hab ichs aufgegeben. Außerdem wollte ich meine Post-its nicht verschwenden. Da gab es natürlich noch andere Dinge die mich gestört haben, aber die kann ich teilweise gar nicht so genau beschreiben. Es klingt halt einfach irgendwie holprig, aber das kann natürlich auch an der Übersetzung liegen, das kann ich natürlich nicht beurteilen.
Dazu kommen dann leider noch ein paar inhaltliche Sachen, die mir nicht so gut gefallen haben. Zum Beispiel halte ich die Rolle der zwölfjährigen Annie für unrealistisch. Im einen Moment ist sie ein typisches, pubertierendes Mädchen und im nächsten Moment haut sie Sprüche raus die auch von einer 80-jährigen kommen könnten. Außerdem begegnet sie fremden Menschen als würde sie sie schon ihr Leben lang kennen, nur weil sich auf einmal herausstellt, dass sie zur Familie gehören. Schön, dass ist natürlich sehr nett von ihr, aber irgendwie nicht wirklich realistisch für eine zwölfjährige finde ich. Zumindest war ich nicht so als ich zwölf war.
Im Gegensatz zu ihrer scheinbar überreifen Tochter benimmt sich stattdessen Hope teilweise wie ein Teenager wenn es um ihr eigenes Privatleben geht. Sie wird wegen den subtilsten Komplimenten knallrot und schnallt trotzdem nicht, dass da eigentlich schon längst was zwischen ihr und dem Typen läuft. Vielleicht hab ich auch einfach zu viele Erwartungen an eine erwachsene Frau die eine Prophetin zur Tochter hat.
Trotzdem muss ich sagen, dass mir dieses Buch alles in allem wieder recht gut gefallen hat. Ich habe mich selten gelangweilt und habe es wider Erwartens innerhalb von zweieinhalb Tagen durchgelesen. Und dass, obwohl es sich eigentlich überhaupt nicht in meinem Genre abspielt. Dafür, finde ich, hat es sich wirklich gut geschlagen. Die Geschichte war ohne Frage gefühlvoll und man konnte alle Gedankengänge gut mitverfolgen, obwohl es so viele Familiennamen und Generationen gibt. Klar war es echt kitschig, aber sobald man sich dran gewöhnt hatte war es wirklich eine schöne, berührende Geschichte.

 Solange am Himmel Sterne stehen ist ein äußerst gefühlvolles Buch mit unendlich viel Herz, dass sich sehr leicht lesen lässt, wenn man von dem Schreibstil absehen kann. Die Handlung und die Dialoge sind sehr kitschig, aber irgendwie passt es einfach zur Geschichte. Für alle, die zeitgenössische Chick-Lit mögen wird dieses Buch vermutlich ein Volltreffer sein. Für mich war es ein wirklich schönes Buch, dass aber leider viel zu dick aufgetragen war und dessen Schreibstil mich einfach viel zu sehr genervt hat. Daher bekommt Solange am Himmel Sterne stehen 3 von 5 Herzen von mir.






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Kommentare:

  1. Schade, dass es dir nicht so gut gefallen hat. Ich liebe das Buch und es ist auch eins meiner Lieblingsbücher (:
    Liebe Grüße, Lesekatze

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    1. die Geschichte an sich hat mir ja wohl gefallen, nur der Schreibstil eben nicht :( Hast du es auf Deutsch gelesen?
      Ich kann auch durchaus verstehen, warum du es toll findest ;) Bestimmte Szenen sind mir auch nah gegangen, aber das konnte für mich den Stil leider nicht wet machen...

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